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Die Versilberung . Ein glanzvolles Erbe

Alles über versilbertes Besteck, Punzen und Veredelungsverfahren

Versilbertes Besteck ist der Inbegriff von Eleganz auf der Festtafel. Es bietet den edlen Glanz von massivem Silber, ist jedoch robuster und erschwinglicher. Doch wer altes Besteck erbt oder auf dem Flohmarkt stöbert, steht oft vor rätselhaften Zahlen und Symbolen. In diesem Blogbeitrag erfahren Sie, was die verschiedenen Punzen bedeuten und welche Arten der Versilberung es gibt.

Die Sprache der Stempel: Was bedeuten die Punzen?

Die kleinen Prägungen, die sich oft auf der Rückseite von Besteckteilen finden lassen, sind die sogenannten Punzen. Diese sind nicht bloß eine Zierde oder eine Auskunft über den Hersteller. Sie geben ausserdem auch Auskunft über den Silbergehalt und die Qualität der Beschichtung.

1. Versilbert oder Massiv? Der entscheidende Unterschied

Der erste Blick gilt der Zahl. Hier gibt es eine klare Faustregel zur Unterscheidung:

Punzen mit hohen Zahlen nah tausend wie z.B. 800, 835, 925, geben den Feingehalt in Tausendsteln an (z. B. 92,5 % Silber bei Sterling). Es handelt sich hierbei also um Massivsilber.

Punzen mit niedriger Zahl wie 90, 100, 120, 150, sind eine Gramm-Angabe der Silberauflage auf 24 Besteckteile Versilbert. Bei einer 90, wurden also 90g Silber für die Versilberung von 24 Besteckteilen genutzt.

Echtes Massivsilber trägt in Deutschland seit 1888 zudem die Reichsstempelung: Eine Kombination aus Halbmond (Symbol für Silber) und Krone (Symbol für das Deutsche Reich). Fehlen diese Symbole und steht dort nur eine Zahl wie "90", handelt es sich um eine Versilberung.

2. Das Geheimnis der "90" und "100"

Viele fragen sich: Warum gerade 90 oder 100? Diese Zahlen beziehen sich auf ein standardisiertes Verfahren. Eine 90er-Punze bedeutet, dass für das Versilbern von 24 Standard-Besteckteilen (in der Regel 12 Gabeln und 12 Löffel) genau 90 Gramm Feinsilber verwendet wurden.

  • 90er Versilberung: Standardqualität.
  • 100er / 120er Versilberung: Höhere Qualität mit dickerer Schicht.
  • 150er Versilberung: Gastronomie-Qualität, besonders langlebig.

Arten der Versilberung: Von historisch bis modern

Nicht jede Versilberung ist gleich. Über die Jahrhunderte haben sich verschiedene Techniken entwickelt, um unedle Metalle mit einer Silberschicht zu veredeln.

Die Galvanische Versilberung (Elektrolyse)

Dies ist heute das Standardverfahren und vielleicht dem ein oder anderen noch aus dem Chemieunterricht in Erinnerung geblieben. Das Besteckteil (meist aus einer Kupferlegierung) wird in ein Silberbad getaucht. Durch elektrischen Strom wandern Silberionen auf das Werkstück und bilden eine gleichmäßige, fest haftende Schicht. Das unedlere Metall zieht immer die Ionen des edleren Metalls an, was sich diese Methode zu nutzen macht.

  • Vorteil: Sehr präzise Steuerung der Schichtdicke möglich.
  • Hartversilberung: Eine spezielle Form, bei der durch Zusätze im Bad eine besonders kratzfeste Oberfläche entsteht.

Die Feuerversilberung (Historisch)

Vor der Erfindung der Elektrolyse wurde Silber mit Quecksilber zu einem Amalgam vermischt, aufgetragen und erhitzt. Das Quecksilber verdampfte und ließ eine Silberschicht zurück. Wegen der hochgiftigen Dämpfe wird dieses Verfahren heute nicht mehr für Besteck angewendet.

Sheffield Plate (Sandwich-Silber)

Im 18. Jahrhundert in England erfunden, wurde hierbei ein Kupferblock zwischen zwei dünne Silberplatten "geschweißt" und dann ausgewalzt. Man erkennt eine Sheffield Plate Versilberung oft daran, dass an den Kanten das rötliche Kupfer durchschimmert. Diese Methode sorgte dafür, das Silberbesteck nicht nur den Wohlhabenden zur verfügung stand, sondern auch einfachere Leute sich dieses Leisten konnten.

Das Herz unter dem Silber: Das Basismaterial

Wenn die Silberschicht durch intensiven Gebrauch abgerieben wird, kommt irgendwann das Kernmaterial zum Vorschein. Die hochwertigste Basis für versilbertes Besteck ist Alpacca (auch Neusilber genannt).

Alpacca ist eine Legierung aus Kupfer, Nickel und Zink. Es enthält kein echtes Silber, ist aber von Natur aus silberweiß. Der große Vorteil: Wenn die Versilberung dünner wird, fällt dies bei Alpacca kaum auf, da das Kernmetall eine ähnliche Farbe hat, bleibt die silberne Optik erhalten.

Günstigeres Besteck nutzt oft Messing (gelblich) oder modernen Edelstahl (Cromargan) als Basis, wobei die Haftung auf Edelstahl technisch anspruchsvoller ist.

Fazit: Worauf sollten Sie achten?

Versilbertes Besteck ist eine wunderbare Möglichkeit, Luxus in den Alltag zu bringen. Achten Sie beim Kauf auf eine 100er oder 150er Punzierung, wenn Sie das Besteck täglich nutzen möchten. Auch für Ringe aus Besteck gilt: Je hochwertiger die Versilberung, desto langlebiger der Ring. Suchen Sie nach dem Namensstempel bekannter Manufakturen wie WMF, Robbe & Berking oder Wellner, die für erstklassige Versilberungen bürgen.

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